ATOMENERGIE - EINE SACKGASSE

Nuclear Monitor Issue: 
#537
Booklet: Nuclear Energy a dead end
01/11/2000
Article

NOVEMBER 2000 / MAI 2001

EINLEITUNG

(November, 2000) Die vorliegende Broschüre ist die erste gemeinsame Produktion von WISE und NIRS, die seit September 2000 als offizielle Partnerorganisationen zusammenarbeiten. Mit dieser Veröffentlichung möchten wir Graswurzel-Aktivisten und NGOs ganz allgemein Mittel und Argumente für den Widerstand gegen die Atomenergie an die Hand geben.

Wer täglich gegen Atomkraft aktiv ist, wird hier nicht viele neue Argumente finden; auch wenn es sich unserer Meinung nach um eine umfassende Zusammenstellung handelt. Wir behandeln hier die zentralen Themen - die Grundlagen der nuklearen Brennstoffkette sowie die neuesten Forschungsergebnisse zu Wirtschaftlichkeit und Sicherheit - und beschäftigen uns darüber hinaus besonders ausführlich mit der Frage, ob Atomenergie tatsächlich als Mittel gegen die durch Energieverbrauch verursachte Klimaveränderung taugt.

Fragen, Kritik, Anmerkungen etc. sind jederzeit willkommen.

Produktion: WISE, NIRS
Mit Beiträgen von: R.J. van den Berg, S. Field, P. de Rijk, D. Bannink, M. Verweij
Übersetzung aus dem Englischen:U. Debus
Lektorat des englischen Originaltextes:M. Verweij, P. de Rijk
Korrektorat des englischen Originaltextes:NIRS
Layout: C. Hallström
Druck: Adelante, The Hague
Zweite Auflage [des englischen Textes] 5.000
Mai 2001
Die Veröffentlichung des gedruckten englischen Textes wurde durch die finanzielle Unterstützung der INZET, der NCDO und des WWF Niederlande ermöglicht.

ATOMKRAFT IM 21. JAHRHUNDERT: DER ANFANG VOM ENDE

Nuclear Monitor Issue: 
#537
Booklet: Nuclear Energy a dead end
01/11/2000
Article

Ein halbes Jahrhundert sind die Versprechungen nun her, dass Atomkraft beinahe kostenlos sei, und dazu sicher, zuverlässig und unerschöpflich. Wo stehen wir nun, nach 50 Jahren Investitionen in die Kernenergie? Tatsächlich hat sich keine dieser Versprechungen erfüllt. Heute ist klar, dass Atomenergie alles andere als billig und ihre Zuverlässigkeit fragwürdig ist, und dass es sich in keiner Weise um eine unerschöpfliche Enerquiequelle handelt.

Und was einem schon der gesunde Menschenverstand sagt, spiegelt sich auch in dem Bild wider, das die Situation der Atomindustrie weltweit bietet: der Niedergang hat begonnen. Ende der 90er Jahre gab es erstmals eine Verringerung der nuklearen Netzkapazität, gleichzeitig mit dem zahlenmäßigen Rückgang der Atomkraftwerke in Betrieb. Ende 1999 waren laut Statistik 436 Kernkraftwerke in 32 Ländern am Netz.

Wenn man den Zahlen glaubt, die von der IAEA (International Atomic Energy Agency), dem Uranium Information Center, dem Nuclear Energy Institute und anderen Befürwortern der Atomenergie präsentiert werden, könnte man annehmen, dass sehr viel mehr Atommeiler ans Netz gehen sollen. Die Atomlobby veröffentlicht immer wieder Statistiken, die auf sehr optimistischen Einschätzungen beruhen, was den geplanten Zeitpunkt des Netzanschlusses angeht. In mehr als 80 % aller Fälle verzögert sich jedoch der Netzanschluss gegenüber der Planung der Kraftwerksbetreiber, und zwar im Durchschnitt um 5 Jahre.

1976IAEA, 1976 Schätzung für 2000
1980 IAEA, 1980 Schätzung für 2000
1985 IAEA, 1985 Schätzung für 2000
actual Gegenwärtige nukleare Netzkapazität weltweit zum 1-1-2000
alle Angaben in GW
IAEA projections

In den vergangenen Jahrzehnten hat die IAEA die weltweite nukleare Gesamtnetzleistung bezogen auf das Jahr 2000 immer wieder überschätzt. Die Schätzungen mussten von 2.300 GW im Jahr 1976 und 725 GW im Jahr 1980 auf 475 GW im Jahr 1985 nach unten korrigiert werden; und die tatsächliche weltweite nukleare Netzleistung wurde von derselben Institution Anfang des vergangenen Jahres auf 352 GW geschätzt.

Betrachtet man die Europäische Gemeinschaft, so sind in den vergangenen zehn Jahren die letzten Reaktoren gebaut worden. Die italienische Bevölkerung stimmte 1987 mit überwältigender Mehrheit gegen die Kernenergie. Spanien beschloss 1991 ein Moratorium für den Bau neuer Atomkraftwerke. Vier Jahre später entschied Grossbritannien, keine neuen Kernkraftwerke mehr zu bauen. Die Mehrheit der EG-Länder produziert entweder keine Atomenergie oder hat beschlossen, ihre Atomenergieprogramme auslaufen zu lassen.

In den USA ist es über 25 Jahre her, dass ein Reaktor in Auftrag gegeben wurde, der dann auch gebaut wurde. Mehr Reaktoren wurden in den USA storniert als tatsächlich fertiggestellt.

Asien gilt häufig als die Region, wo die Kernenergie weiterhin boomt. Doch aufgrund wirtschaftlicher und ökologischer Sachzwänge oder sozialen Widerstands wurden viele dieser Atomprogramme niemals verwirklicht oder haben keine Priorität mehr. Südostasien wird in dieser Hinsicht keine Ausnahme machen. China hat bereits erklärt, dass es seine Investitionen in Netzkapazität der nächsten Generation verringern wird, und die Atomenergie - mit nur 0,6 % der Gesamtenergieproduktion - wird dort weiterhin nur eine marginale Rolle spielen.

Dies bedeutet, dass die Atomindustrie - ohne weitere Aufträge, auch nicht in ferner Zukunft - sich im endgültigen Niedergang befindet, auch wenn die IAEA behauptet, dass im Jahr 2000 38 Reaktoren im Bau gewesen seien. Wenn man genau hinsieht, wo wirklich gebaut wird, muss man mindestens zehn von dieser Liste streichen. Für einige der verbleibenden 28 ist die Fertigstellung mehr als fraglich. Da fast keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut werden und eine beträchtliche Anzahl von Reaktoren demnächst das Ende ihrer geplanten Laufzeit erreicht, ist mit einem deutlichen Rückgang der Atomenergieproduktion in den kommenden 20 Jahren zu rechnen.

KLIMAFREUNDLICHE ATOMENERGIE?

Der Niedergang der Kernenergie hat zu verstärkten Anstrengungen der Atomindustrie geführt, sich als Lösungsmöglichkeit für das Problem der Klimaveränderung zu präsentieren und so als umweltfreundliche Energiequelle akzeptiert zu werden. Die wachsende Besorgnis über den Treibhauseffekt wird so als Möglichkeit missbraucht, einer rapide an Bedeutung verlierenden Branche zu neuem Aufschwung zu verhelfen. Es überrascht daher nicht, dass die Atomindustrie die Klimaveränderung als "den besten Freund, den wir in den letzten 40 Jahren hatten"1 sieht. Als Argument führt man an, dass Kernenergie nur geringe Emissionen an Treibhausgasen wie CO2 mit sich bringt. So wie sie von den Befürwortern der Atomenergie präsentiert werden, sind die Zahlen zur Emissionsvermeidung durch den Einsatz von Kernenergie jedoch in zweierlei Hinsicht problematisch. Erstens vergleichen diese Statistiken Atomreaktoren stets mit stark umweltbelastenden Kohlekraftwerken und lassen dadurch außer Acht, dass die Alternative zur Kernenergie nicht notwendigerweise Kohle sein muss. Zweitens werden in diesen Zahlenwerken die indirekten Emissionen von Treibhausgasen bei der Atomstromproduktion nicht berücksichtigt. Indirekte Emissionen entstehen vor allem beim Uranabbau und der Anreicherung von Uran sowie beim Bau von Kraftwerken und bei der Wiederaufarbeitung. Aber selbst wenn bei der Erzeugung von Kernenergie keine Treibhausgase freigesetzt würden, ist die damit verbundene Umweltbelastung so erheblich, dass man das Atom unmöglich als umweltfreundliche Energiequelle bezeichnen kann.

Auf dem Klimagipfel 1992 führte die wachsende Besorgnis über die Veränderung des Erdklimas zur Verabschiedung der UN-Rahmenvereinbarungen zur Klimaveränderung. Alle Unterzeichnerstaaten treffen sich regelmässig auf der "Conference of the Parties" [Konferenz der beteiligten Staaten]. Auf der dritten Konferenz der beteiligten Staaten (COP 3) wurde 1997 das Kyoto-Protokoll verabschiedet. In diesem Protokoll verpflichteten sich die Länder, ihre Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren. Ein möglicher Weg, um dieses Ziel zu erreichen, sind die sogenannten "flexible mechanisms" [flexible Mechanismen]. Diese Mechanismen eröffnen den beteiligten Ländern die Möglichkeit, einen Teil ihrer Reduktionsziele im Ausland zu realisieren. In eben diesen Mechanismen sieht die Atomindustrie nun ihre Chance für ein Comeback.

CDM
Der Clean Development Mechanism (CDM) [Mechanismus zur Förderung nachhaltiger Entwicklung], einer der "flexiblen Mechanismen" des Kyoto-Protokolls, soll sowohl den Entwicklungsländern zu einer umweltverträglicheren Entwicklung verhelfen als auch gleichzeitig die Industrieländer bei der Erreichung ihrer Reduktionsziele unterstützen. Ein CDM-Projekt könnte wie folgt funktionieren: ein Industrieland, beispielsweise Kanada, erfüllt einen Teil seiner Klimaschutzziele, indem es ein emissionsarmes Projekt in China technisch und finanziell unterstützt. Das Projekt könnte z.B. ein emissionsarmes Kraftwerk sein, das weniger Kohlendioxid ausstößt als die sonst üblichen Kohlekraftwerke. Kanada erhält dann einen Bonus über die Emissionen, die durch das Projekt in China vermieden worden sind. Eine endgültige Entscheidung über die Liste der CDM-berechtigten Energiequellen steht noch aus. Wenn die Atomenergie in diese Liste aufgenommen wird und damit quasi ein "Kyoto-Gütesiegel" erhält, würde dies bedeuten, dass westliche Industrieländer beginnen könnten, Atomkraftwerke in Entwicklungsländer zu exportieren - unter dem Deckmäntelchen der "nachhaltigen Entwicklung".

 

MÜLL FÜR ALLE EWIGKEIT

In den Anfangszeiten der Kernenergie wurde das Thema Atommüll nicht ernst genommen. Einige Vorschläge zum Umgang mit dem Müll wurden niemals in die Tat umgesetzt, da sie auf technischer oder praktischer Ebene nicht durchführbar waren; darunter die Entwürfe, den Strahlenmüll in den Polarkappen zu lagern oder ihn in den Weltraum zu schießen. Jahrzehntelang kippte man ihn einfach ins Meer.

Müll aus der Kernenergieproduktion wird in zwei Hauptkategorien eingeteilt. Zu "niedrigstrahlendem" Müll zählen Kleidung, Filter, Reaktorbauteile usw. Ausgediente Reaktordruckgefäße und erschöpfte Brennelemente sind hochradioaktiver Müll (nur nicht in den USA, wo alte Reaktordruckgefäße als "niedrigradioaktiv" gelten), der entweder direkt gelagert oder wiederaufbereitet wird.

Hochradioaktiver Müll bleibt über Jahrtausende hinweg gefährlich. Entgegen der von der Atomindustrie häufig verbreiteten Behauptung, dass der Müll nach 240.000 Jahren unschädlich sei, sind die meisten anderen Experten der Ansicht, dass die Radioaktivität der Abfälle noch nach einer Million Jahren weit über den zulässigen Grenzwerten liegt, wahrscheinlich sogar noch nach 10 Millionen Jahren.

Von der Atomindustrie kam der Vorschlag, hochradioaktiven Müll in tiefen Gesteinsformationen zu lagern, doch scheiterte man an der Verwirklichung eines solchen Endlagers. Es ist unmöglich, die sichere Verwahrung der Abfälle über Hunderttausende von Jahren hinweg zu garantieren. Sobald der Strahlenmüll unter der Erde ist, gibt es keine Möglichkeit mehr, die Behälter auf Lecks zu kontrollieren und diese gegebenenfalls zu reparieren. Undichte Stellen sind nur eine Frage der Zeit, d.h. irgendwann werden die Container auf jeden Fall undicht und setzen dann Radioaktivität frei.

Oberirdische Lagerung kann ebenfalls nicht als sicher bezeichnet werden. Zwar kann man die Abfallcontainer kontrollieren und reparieren, aber die Menschheit wird "auf ewig" für das Funktionieren der Endlager verantwortlich sein. Man muss Behälter austauschen und das Endlager vor Krieg, Terrorismus und anderen potentiellen Gefahren schützen.
Daraus ist nur eine Schlussfolgerung möglich: Es gibt bereits zu viel Atommüll.

Gorleben
Ein gutes Beispiel für Widerstand gegen Atommüll ist das deutsche Dorf Gorleben. In den späten 70er Jahren sollten dort ein Reaktor, eine Wiederaufarbeitungsanlage, ein Zwischenlager und ein Endlager in einem Salzstock gebaut werden. Der geplante Reaktor und die Wiederaufarbeitungsanlage wurden wegen des starken Widerstandes der lokalen Bevölkerung bald aufgegeben. Als 1995 der erste Container mit verbrauchten Brennelementen zur Zwischenlagerung nach Gorleben gebracht wurde, protestierten mehrere tausend Menschen. Der zweite und der dritte Transport (1996 und 1997) wurden ebenfalls von tausenden protestierenden Demonstranten begleitet. Wegen der anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Eignung des Salzstocks als Endlager beschloss die 1998 gewählte sozialdemokratisch-grüne Regierung, das sogenannte 'Erkundungs'projekt in Gorleben zu unterbrechen. (Quelle: The World is Watching, Gorleben International Peace Team, 1997)

 

RADIOAKTIVE STRAHLUNG

Dass bei der Kernspaltung radioaktive Strahlung frei wird, ist allgemein bekannt, aber was ist Strahlung eigentlich genau? Nukleare Strahlung entsteht, wenn instabile Atome zerfallen. Häufig wird sie "ionisierende Strahlung" genannt, weil sie ausreichend Energie besitzt, um Elektrone von Atomen abzuspalten und diese dadurch in Ionen umzuwandeln. Ionisierung stört die Funktion der Zellen, aus denen unser Körper besteht. Hohe Strahlendosen zerstören die Zellen und führen so zu Strahlenverbrennungen, Krankheit und Tod.

Geringere Dosen radioaktiver Strahlen verursachen Mutationen, die Krebs und genetische Schädigungen zur Folge haben. Diese Wirkungen sind jedoch weniger vorhersagbar, da sie den Gesetzen des Zufalls folgen. Man weiß, dass wenn eine große Anzahl Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt ist - wie z.B. nach dem Unfall in Tschernobyl - manche an Krebs erkranken und Kinder mit genetischen Schädigungen zur Welt kommen, aber man kann nicht sagen, wer genau betroffen sein wird. Darüber hinaus kann man nicht mit Bestimmmtheit sagen, ob eine bestimmte Krebsform oder genetische Schädigung von radioaktiver Strahlung herrührt oder andere Ursachen hat. Da Schädigungen sich auch zeitverzögert zeigen können, treten manche Krebserkrankungen oder genetische Defekte erst viele Jahre nach der Verstrahlung auf.

Sind die Strahlendosen sehr niedrig, etwa in der Größenordnung der in der Natur vorkommenden "Grundstrahlung", gehen die Meinungen der Wissenschaftler zu deren schädlichen Wirkungen auseinander. Im Allgemeinen nimmt man an, dass das Gesundheitsrisiko sich proportional zur Strahlendosis verhält. Doch behaupten einige Wissenschaftler - insbesondere die der Atomindustrie nahestehenden - , dass niedrige Strahlendosen nur ein geringes bzw. überhaupt kein Gesundheitsrisiko mit sich bringen. Einige vertreten sogar die Ansicht, dass niedrige Strahlendosen sich positiv auswirken können. Es gibt jedoch starke Anzeichen dafür, dass die gesundheitsschädliche Wirkung von niedrigen Strahlendosen über lange Zeiträume hinweg grösser ist, als wenn die gleiche Strahlendosis in einem kürzeren Zeitraum aufgenommen wird.

Goiânia
Ein Beispiel für die Gefahren, die von radioaktiver Strahlung ausgehen, ist der Zwischenfall im brasilianischen Goiâna. Schrotthändler hatten dort ein nuklearmedizinisches Gerät aus einer ehemaligen Klinik auseinandergenommen. Dabei hatten sie ein im Dunkeln leuchtendes Pulver gefunden, von dem sie glaubten, dass es magische Kräfte besitze. Alle ihre Freunde wollten etwas von dem "magischen" Pulver haben. Doch schon nach kurzer Zeit wurden die ersten Menschen krank. Vier Menschen starben, darunter ein sechsjähriges Mädchen, das seine Haut mit dem Pulver eingerieben hatte. Hunderte von Menschen erkrankten, und fünftausend Menschen brauchen seitdem für den Rest ihres Lebens regelmäßige medizinische Untersuchungen. Ein spezielles Lagergebäude wurde gebaut, um die 5.584 Container für die 3.500 Kubikmeter radioaktive Abfälle zu lagern, die bei dem Unfall entstanden waren. Die Substanz, die all dies verursacht hatte, enthielt nur 19 Gramm radioaktives Cäsiumchlorid.

Strahlungsarten

types of radiation

Alphastrahlen

relativ schwere Teilchen, die von Elementen wie Uran und Plutonium abgegeben werden. Ein Blatt Papier genügt, um Alphateilchen aufzuhalten, aber wenn eine alphastrahlende Substanz in den Körper gelangt, verursacht sie dort enorme Schädigungen (z.B. ist das Einatmen von 80 Mikrogramm Plutonium normalerweise tödlich).

Betastrahlen

Elektronen, die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegen. Sie können in den Körper eindringen, doch bereits einige Millimeter Aluminium halten sie auf. Betastrahlende Substanzen sind sowohl bei innerlicher als auch bei äußerlicher Aufnahme gefährlich.

Gammastrahlen

ähnlich wie Röntgenstrahlen, jedoch energiereicher. Eine dicke Blei- oder Betonschicht kann Gammastrahlen aufhalten, doch sie können den menschlichen Körper vollkommen durchdringen und dabei Körpergewebe schädigen.

Neutronen

neutrale Teilchen, die bei der Kernspaltung frei werden. Sie haben eine enorme Durchdringungskraft und können ebenfalls Körpergewebe zerstören; daher ist für Atomreaktoren eine dicke Ummantelung notwendig, die üblicherweise aus Beton besteht.

 

ABSCHALTEN ODER ABSCHMELZEN

So lange die Atomenergie existiert, hat es immer wieder Unfälle gegeben. Die bekanntesten sind die Brandkatastrophe im Reaktor in Windscale (1957, Grossbritannien), die Kernschmelze von Three Mile Island in Harrisburg (1979, USA), die Katastrophe von Tschernobyl (1986, Ukraine) und der kürzliche Kritikalitätsunfall in Tokai Mura (1999, Japan).

Der Umgang mit radioaktiven Substanzen ist immer mit einem Risiko behaftet. In einem Atomreaktor befindet sich eine große Menge an Radioaktivität. Der (heiße) Kernbrennstoff muss ständig gekühlt werden, um ein Abschmelzen zu verhindern. Das größte Risiko bei einem Atomreaktor ist das einer Kernschmelze. Dies geschieht, wenn durch ein Leck Kühlwasser aus dem Kühlsystem austritt.

Bei einer Kernschmelze können enorme Mengen an Radioaktivität freigesetzt werden, wenn der Sicherheitsbehälter des Reaktors nicht funktioniert. Dies kann infolge menschlichen Versagens geschehen, oder weil das Sicherheitssystem durch das Unfallgeschehen selbst zerstört wird. Der Sicherheitsbehälter besteht aus Stahl- und Betonkonstruktionen rund um den Reaktorkern. In Tschernobyl wurde das Sicherheitssystem durch die Explosion im Reaktor zerstört. In Harrisburg dagegen wurde nicht der Sicherheitsbehälter beschädigt, sondern Radioaktivität gelangte durch eine Fehlfunktion der Ventile in der Betonkonstruktion nach draußen.

Eine Kernschmelze und das Freiwerden von Radioaktivität hat schwerwiegende Folgen nicht nur für die örtliche Umgebung, sondern auch für weiter entfernte Gebiete (so ließ sich z.B. Radioaktivität aus der Tschernobyl-Katastrophe in der gesamten nördlichen Hemisphäre nachweisen). Mit der Atemluft und mit der Nahrung nehmen Menschen radioaktive Substanzen auf, die später Krebserkrankungen auslösen. Das Wasser wird kontaminiert und die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigt, so dass noch Jahre nach dem Unfall Lebensmittel vernichtet werden müssen.

Ein Atomreaktor hat eingebaute Sicherheitssysteme, wie z.B. Notkühlsysteme und Notstromaggregate. Aber auch wenn solche technischen Sicherheitssysteme vorhanden sind, können und werden Menschen Fehler machen. Bei allen vier oben genannten Unfällen trug der "menschliche Faktor" zur Ursache oder zur Schwere des Unfalls bei.

Tschernobyl
Die Katastrophe in Tschernobyl 1986 gilt als der bisher schlimmste Atomunfall in einem Reaktor. Die Gesamtmenge der freigesetzten Radioaktivität überstieg diejenige der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki um mindestens das 200fache. 250.000 Menschen mussten aus kontaminierten Regionen in der Ukraine, Belarus und Russland umgesiedelt werden. Die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs, der durch radioaktives Jod verursacht wird, ist in manchen Gebieten um das 100fache erhöht. 11.000 Fälle wurden bisher gemeldet. Andere Krebsarten zeigen sich eventuell erst 15 bis 20 Jahre nach dem Unglück. Die Gesamtkosten der Katastrophe werden sich wahrscheinlich auf mindestens 300 Billionen US-Dollar belaufen. Diese Schätzung bezieht sich auf Dekontaminierungsarbeiten, Wiederbesiedelungsmaßnahmen, Einkommensverluste und Ausgaben für die Gesundheitsversorgung.

DIE WIRTSCHAFTLICHSTE ALTERNATIVE?

Hohe Kosten sind der Hauptgrund dafür, dass sich die Marktaussichten der Kernenergie verschlechtert haben. Die meisten Kernkraftwerke wurden von Strommonopolisten gebaut, und die Kosten wurden an die Verbraucher oder die Regierung weitergegeben, egal wie hoch sie waren. Aber nun, da die Regierungen überall auf der Welt die Strommärkte dem scharfen Wind des Wettbewerbs geöffnet haben, muss die Kernenergie sich zum ersten Mal selber tragen. Endlich hat man nun ein klares Bild von den Marktaussichten der Atomenergie, und ihre nahe Zukunft sieht düster aus. Immer mehr Untersuchungen machen deutlich, dass Atomenergie heute schon teuer ist und noch teurer werden wird, während andere Energiequellen sich in ökonomischer Hinsicht zu rechnen beginnen. Durch die Fortschritte in der Turbinenentwicklung und die Möglichkeit, offshore-Windparks zu bauen, ist Windenenergie in den meisten Fällen sehr viel wirtschaftlicher als Kernenergie. Während die Kosten für Windenergie voraussichtlich sinken werden, gilt für die Atomenergie gerade das Gegenteil.
Laut Aussage des Uranium Institute werden im Wettbewerb nur Kernkraftwerke mit niedrigen Produktionsnebenkosten überleben, was starke Anreize zur Kostensenkung zur Folge haben wird, die wiederum Veränderungen im Betrieb und im Management der Kraftwerke nach sich ziehen - neue Fragen hinsichtlich Instandhaltung und Reaktorsicherheit sind damit vorprogrammiert.
Wall Street Analysten bezweifeln inzwischen, ob die Kernspaltung sich im Wettbewerb gegen fossile Brennstoffe behaupten kann, und wie die die Nuclear Energy Agency schreibt,

"hat die Wettbewerbsfähigkeit neuer Kernkraftwerke in den letzten Jahren erheblich abgenommen, insbesondere im Vergleich zu Gaskraftwerken. Eine kürzliche erschienene gemeinsame Studie von NEA und IEA über voraussichtliche Kosten der Energieerzeugung kommt zu dem Ergebnis, dass Atomenergie nur selten die kostengünstigste Option für Kraftwerke ist, die bis 2005-2010 in Auftrag gegeben werden"2.

Der Markt ist also nicht atomfreundlich, wie - was manchen überraschen mag - auch von der Weltbank noch einmal bestätigt wird:

"Wegen ihrer hohen Kapitalkosten können Atomkraftwerke - selbst bei niedrigen Betriebskosten - nicht als die wirtschaftlichste Alternative gelten, wenn man einigermaßen vernünftige Annahmen hinsichtlich der Preise von Kohle und Öl zugrunde legt. Atomkraftwerke sind wegen ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Kosten so unwirtschaftlich, dass sie mit ziemlich großer Sicherheit nicht als die kostengünstigste Alternative gelten können. Man kann außerdem davon ausgehen, dass die Kosten, die gewöhnlich von den Kraftwerksbetreibern genannt werden, viel zu niedrig angesetzt sind und häufig die Entsorgung, Stillegung und weitere Umweltkosten nicht in adäquater Weise berücksichtigen. Was das Thema noch schwieriger macht, ist eine Aura von Geheimhaltung und mangelnder Transparenz, die den Betrieb von Atomkraftwerken umgibt. In den letzten Jahren haben zahlreiche Unfälle dazu geführt, dass in der öffentlichen Meinung Zweifel an der Kompetenz der Branche und an der Sicherheit der technischen Prozesse laut wurden. Für viele ist die Branche nicht mehr glaubwürdig."3.

CDM-Subventionen?
Das Beispiel China zeigt die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Kernenergie ganz deutlich, und auch die Gründe dafür, warum die Atomindustrie weltweit so verzweifelt darauf aus ist, die CDM-Berechtigung zu erhalten. In einem der IAEA vorgelegten Papier lässt die chinesische Regierung verlauten, dass man bis zum Jahr 2020 40 GW (dies entspricht ca. 40 großen Reaktoren) zusätzliche nukleare Netzkapazität aufbauen wolle. Doch wird in dem Papier zugegeben, dass diese Reaktoren "unter normalen Wettbewerbsbedingungen nicht gebaut würden. Ohne Subventionen, Steuerbefreiungen oder andere finanzielle Unterstützungen werden die Kernkraftwerke, die notwendig wären, um Chinas zukünftigen Bedarf zu decken, nicht gebaut werden." Mit anderen Worten: China wird keine neuen Atommeiler bauen, es sei denn, die Global Player der Atomindustrie erhalten für den Neubau von Reaktoren Subventionen von den westlichen Industrieländern. Dies ist das wahre Ziel der Regierungen, die sich für die Aufnahme der Kernenergie in das CDM-Programm einsetzen: einen neuen Weg zu finden, ihre angeschlagenen Atomfirmen zu stützen.

 

GRAS FRESSEN, BOMBEN BAUEN: VERBREITUNG VON ATOMWAFFEN

Die zunehmende Verbreitung von nuklearen Waffen ist nicht nur eine Frage der Politik, sondern auch der Verfügbarkeit des Know-How und des radioaktiven Materials. Das Know-How kann man sich leicht beschaffen; so konstruierte 1976 ein 21jähriger US-amerikanischer Student einen atomaren Sprengkörper - nur mit Hilfe von allgemein zugänglichen Informationen. Zu den radioaktiven Materialien, die zum Bau nuklearer Waffen verwendet werden können, zählen hochangereichertes Uran (Heu) und Plutonium (Pu); Plutonium entsteht als Nebenprodukt in Atomanlagen.4 In einem 1000 MW Leichtwasserreaktor (LWR) fallen pro Jahr zwischen 210 kg und 240 kg Plutonium an. Für eine Atombombe werden lediglich einige Kilogramm Pu oder Heu benötigt. Bei der Urananreicherung zur Verwendung in Kernkraftwerken ist es nur ein kleiner Schritt zur Erhöhung des Anreicherungsgrades für waffenfähiges Heu; und diesem Schritt stehen keinerlei technische Schwierigkeiten entgegen.

Neben den fünf offiziellen Atomwaffenstaaten zählen Indien und Pakistan zu den Ländern, die zur Herstellung von Atomwaffen in der Lage sind; und die Fälle Südafrika, Argentinien, Brasilien, Israel, Nordkorea und Irak sind ebenfalls gut dokumentiert. Darüber hinaus ist hinreichend belegt, dass Länder wie Spanien, Schweden, die Schweiz, der Iran, Südkorea, Algerien und Taiwan alle zu irgendeinem Zeitpunkt geheime Atomwaffenprogramme hatten. In Australien wurde wiederholt diskutiert, ein Atomwaffenprogramm zu starten, mit dem man sich unter die stolzen Atombombenbesitzer einreihen wollte.

Viele Länder sind in der Lage, kurzfristig nukleare Waffen zu herzustellen. Sobald man dort die Bombe für notwendig hält, ist sie kurzfristig und ohne Schwierigkeiten produzierbar. So kommt eine offiziell niedrigere Anzahl von Ländern zustande, die tatsächlich eine Atombombe besitzen - diejenigen Staaten, die sie in kürzester Zeit bauen können, tauchen in der Statistik nicht auf.

Pakistan
Viele Jahre lang stand Pakistan unter dem Verdacht, nukleare Waffen zu besitzen. 1965 erklärte Ali Bhutto (der damalige Premierminister): "Wenn Indien die [Atom-]Bombe baut, werden wir Gras oder Blätter fressen, notfalls auch hungern, aber wir werden uns eine eigene beschaffen." In den Siebzigern stahl A.Q. Khan, der "Vater des pakistanischen Atomprogramms", Unterlagen zu Anreicherungstechniken, um sie in seinem Heimatland zu verwenden. Obwohl Pakistan wegen seines Atomwaffenprogramms Gegenstand internationaler ökonomischer Sanktionen wurde, konnte es sich erfolgreich sämtliches erforderliches Material und Know-How beschaffen. Im Mai 1998 führte Pakistan als Reaktion auf indische Tests eine Reihe von nuklearen Testexplosionen durch.

 

VON "YELLOW CAKE" UND SALZSTÖCKEN

Wenn man von Atomenergie spricht, denkt man meist an den Kernreaktor, in dem Strom produziert wird. Doch dies ist nur ein kleiner Teil der gesamten nuklearen Brennstoffkette:

Urangewinnung
Uranerzvorkommen gibt es in Kanada, Namibia, Südafrika, Australien und in geringeren Mengen in weiteren Ländern. Die meisten Uranvorkommen enthalten nur einen Bruchteil an Uran: aus 1.000 kg Uranerz lassen sich ca. 500 g verwendungsfähiges Uran gewinnen. Das abgebaute Uranerz wird zerkleinert, gemahlen und ausgelaugt, um das Uran herauszulösen. Das Uran wird separiert und als Konzentrat ausgefällt, das 90 % oder mehr Uranoxide enthält. Man bezeichnet dieses granulatförmige Konzentrat als "yellow cake" [gelber Kuchen]. Die radioaktiven Rückstände ('tailings') des Erzes werden meist in offenen Auffangbecken gelagert.

Anreicherung
Uran in seiner natürlichen Form ist weder in Waffen noch in den meisten Reaktortypen verwendbar, da diese einen bestimmten Prozentsatz an spaltbarem Uran (U-235) benötigen. Nur 0,7 % des natürlichen Urans sind spaltbares Uran. Dieser Anteil muss auf ca. 3 % erhöht werden, um verwendungsfähiges Uran zu erhalten. Dies geschieht durch die sogenannte Anreicherung, bei der als Nebenprodukt abgereichertes Uran entsteht. Hochangereichertes Uran (über 20 % U-235) kann zur Herstellung nuklearer Waffen eingesetzt werden. Das Nebenprodukt abgereichertes Uran wird auch in Munition und Panzern verwendet.

Produktion von Kernbrennstoff
Nach der Anreicherung wird Uranoxid zu Tabletten gepresst. Die Tabletten werden in lange Metallröhren eingefüllt, die sogenannten Brennstäbe. Ein Bündel dieser Brennstäbe ergibt ein Brennelement.

Kernreaktor
Im Reaktor wird das in den Brennstäben enthaltene Uran-235 gespalten, wobei Energie freigesetzt wird. Dadurch wird Wasser erhitzt (bei manchen Reaktortypen auch Gas oder geschmolzenes Metall), und durch eine (Dampf-)Turbine und einen Generator Strom erzeugt.

Lagerung von Brennstäben
Nach zwei- bis dreijährigem Einsatz im Reaktorbetrieb werden die Brennstäbe extrem radioaktiv und sehr heiß, so dass man sie mehrere Jahre lang in einem Kühlbecken lagern muss, bevor man sie transportieren kann. Brennstäbe gelten als hochradioaktiver Müll; sie verbleiben in einem Zwischenlager oder werden zu einer Wiederaufarbeitungsanlage transportiert.

Wiederaufarbeitung
Erschöpfte Brennstäbe enthalten immer noch eine gewisse Menge an Uran-235 sowie aus einem anderen Uran-Isotop, Uran-238, hervorgegangenes Plutonium (PU). Das restliche Uran und das entstandene Plutonium trennt man chemisch von den anderen Spaltstoffen, so dass beide Elemente wiederverwendet werden können. Das zurückgewonnene Uran muss dann wieder auf 3% Uran-235 angereichert werden, um verwendungsfähig zu werden. Zurückgewonnenes Uran enthält Reste von Plutonium und anderen Nebenprodukten, die bei der Kernspaltung entstehen. Dies hat zur Folge, dass die Radioaktivität von wiederaufbereitetem Uran höher ist als die von normalem Uran. Bei der Wiederaufarbeitung fallen nicht nur große Mengen an festen Abfallprodukten an, sondern es gelangen auch Schadstoffe ins Wasser und in die Luft. Weltweit gibt es nur einige wenige Wiederaufarbeitungsanlagen.

Brüter-Reaktoren
Uran enthält das nicht spaltbare Uran-238, das in das spaltbare Plutonium-239 umgewandelt werden kann. Für dieses Verfahren, das sogenannte "Brüten", wurden spezielle Reaktortypen entwickelt, die "Schnellen Brüter". Diese sollten größere Mengen an Plutonium produzieren, als ursprünglich in den Brennstäben enthalten, und dabei gleichzeitig Strom erzeugen. Nur wenige Schnelle Brüter waren jemals in Betrieb, und die meisten Länder haben diese Technologie inzwischen aufgegeben - in erster Linie wegen des extrem hohen Sicherheitsrisikos, das mit dem Einsatz des korrosiven Kühlmittels Natrium verbunden ist.

MOX
Da die Schnellen Brüter nicht erfolgreich betrieben werden konnten und die Plutoniumvorräte aufgrund der Demontage atomarer Waffen stetig anwachsen, ist die Wiederaufarbeitung inzwischen sinnlos geworden. Ohne die ursprüngliche Rechtfertigung für die Wiederaufarbeitung musste ein anderer Verwendungszweck für die Zehntausende von Kilogramm Plutonium gefunden werden: der Einsatz von Mischoxid oder MOX-Brennstäben in Atomkraftwerken. MOX ist eine Mischung aus Uran und wiedergewonnenem Plutonium. Seine Verwendung birgt zahlreiche Risiken der möglichen Verbreitung von waffenfähigem Plutonium, bietet keine Lösung für das Problem der Lagerung hochaktiven Strahlenmülls, führt zu keiner nennenswerten Senkung des Uranverbrauchs, und ist darüber hinaus mit vielen weiteren Sicherheitsrisiken behaftet.

Lagerung von Atommüll
Kein Land hat bisher eine Lösung für das 'Entsorgungs'problem gefunden. Die Lagerung tief unter der Erde wird mit Sicherheit zu undichten Stellen der Container führen, sei es heute schon oder erst in ferner Zukunft. Oberirdische Lagerung bringt ebenfalls ihre spezifischen Probleme und Nachteile mit sich.

Transport
Während des gesamten nuklearen Brennstoffkreislaufs wird radioaktives Material von einer Betriebsstätte zur anderen transportiert. Jeder Transportvorgang birgt das Risiko von Unfällen, Diebstahl und Sabotage, mit den entsprechenden katastrophalen Konsequenzen.

Demontage
Die Stillegung von Reaktoren, deren Betriebsdauer abgelaufen ist, stellt eine entscheidende Phase in der Nutzung der Kernenergie dar. Viele Reaktoren erreichen zur Zeit das Ende ihrer Laufzeit oder werden diesen Punkt in nächster Zeit erreichen. Die starke Strahlung des Reaktordruckgefäßes führt mit der Zeit dazu, dass es erodiert; daher muss der Reaktor nach einigen Jahrzehnten Betriebsdauer stillgelegt werden. Die hohen Strahlendosen in stillgelegten Reaktoren machen den Abbruch des Betonschutzmantels zu einer sehr komplexen und kostspieligen Prozedur.

 

GLOSSAR

Atom:

alle Materie besteht aus winzigen "Bausteinen", die man Atome nennt. Atome bestehen aus einem zentralen Kern mit Protonen und Neutronen (mit Ausnahme des Wasserstoffatoms, das nur ein Proton und keine Neutronen enthält), der von Elektronen umgeben ist. In einem Atom ist die Anzahl von Elektronen und Protonen gleich; wenn Atome Elektronen abgeben oder zusätzliche Elektronen aufnehmen, werden sie zu Ionen.

Klimaveränderung:

eine Veränderung der durchschnittlichen Wetterverhältnisse. Beispiele hierfür sind der Anstieg der durchschnittlichen Temperatur (wodurch der Meeresspiegel steigt) und eine Veränderung in der Verteilung und Häufigkeit der Niederschläge. Veränderungen von Jahr zu Jahr bleiben hierbei unberücksichtigt: um als Klimaveränderung zu gelten, muss die Veränderung über einen längeren Zeitraum zu beobachten sein, etwa über zehn bis zu mehrere hundert Jahre hinweg.

CO2 (Kohlendioxid):

ein Gas, das bei der Atmung von Tieren oder bei der Verbrennung von kohlehaltigen Substanzen entsteht. Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und wandeln es mit Hilfe des Sonnenlichts in der Photosynthese um, wobei sie neue Pflanzenzellen produzieren und Sauerstoff an die Umgebung abgeben.

Elektronen:

kleine negativ geladene Teilchen, die normalerweise um den Atomkern kreisen.

Treibhausgase:

Gase in der Erdatmosphäre, die Wärme von der Erde reflektieren, wodurch die Erde sich stärker aufheizt, als dies normalerweise der Fall wäre. Zu den Treibhausgasen zählen CO2 und Methan.

Hochangereichertes Uran:

Uran, das über 20 % des Isotops U-235 enthält. U-235 ist spaltbares Material und wird in Kernreaktoren und nuklearen Waffen verwendet.

IAEA:

International Atomic Energy Agency. Internationale Organisation mit der Zielsetzung, die Nutzung der Kernenergie voranzutreiben, aber gleichzeitig der Verbreitung spaltbaren Materials für militärische Zwecke vorzubeugen.

Ion:

ein Atom oder Molekül, das sich durch verlorene oder zusätzliche Elektronen elektrisch aufgeladen hat. Verliert das Atom Elektronen, lädt es sich positiv auf; erhält es Elektronen hinzu, lädt es sich negativ auf.

Isotope:

Erscheinungsformen eines Elements mit verschiedener Anzahl von Neutronen, aber gleicher Anzahl von Protonen im Atomkern. Jedes Isotop wird durch eine Zahl gekennzeichnet, mit der die Gesamtanzahl von Neutronen plus Protonen angegeben wird; Uran-235 beispielsweise ist ein Uran-Isotop mit 92 Protonen + 143 Neutronen.

Leichtwasserreaktor (LWR):

der häufigste Reaktortyp, in dem normales Wasser als Kühlmittel und Moderator [= Neutronenbremse] eingesetzt wird.

Molekül:

eine Gruppe von Atomen, die chemisch miteinander verbunden ist.

MOX:

Mischoxid-Brennstoff. Aus Uran und Plutonium hergestellter Kernbrennstoff.

Mutation:

eine Veränderung im genetischen Bauplan einer Zelle oder eines Organismus.

Neutronen:

ungeladene Teilchen, die sich normalerweise im Atomkern befinden (außer beim Wasserstoffatom).

Nuklear:

in Zusammenhang mit dem Atomkern.

Kernspaltung:

eine physikalische Reaktion, durch die der Atomkern in zwei Teile zerfällt. Durch Kernspaltung entstehen u.a. Neutronen. Diese Neutronen können dann mit anderen Atomkernen kollidieren und weitere Spaltprozesse auslösen, was als Kettenreaktion bezeichnet wird.

Atomkraftwerk:

ein Kraftwerk, in dem mit Hilfe der Kernspaltung Energie erzeugt wird.

Plutonium:

ein künstliches radioaktives Element, das meist als Nebenprodukt bei der Atomstromproduktion anfällt. Bisher wurden über 1.000 Tonnen Plutonium produziert.

Protonen:

positiv geladene Teilchen, die sich normalerweise im Atomkern befinden.

Reaktordruckgefäß:

der große Stahltank in einem Atomreaktor, in dem die Kernspaltung stattfindet.

Uran:

ein in der Natur vorkommendes Element, das zur Produktion von Kernbrennstoff und von atomaren Waffen verwendet wird.

Anmerkungen
1) Zitat aus: " German Elections Threaten Meltdown for Nuclear Power in EU", European Voice, 14. Januar 1999.
2) Nuclear Power in Competitive Electricity Markets, Nuclear Energy Agency (NEA), Paris, Frankreich, 2000
3) World Bank, 'Environmental Assessment Source Book' Vol. III, Guidelines for Environmental Assessment of Energy and Industry Projects , 1992
4) "Exploding the Myth; Power Reactors and Nuclear Weapons", Canadian Coalition for Nuclear Responsibility, Canada, 1981

Interessante Websites:
www.climnet.org
www.antenna.nl/wise
www.nirs.org
www.pu-investigation.org
www.theecologist.org

Der World Information Service on Energy (WISE), gegründet 1978, ist eine kleine, aber einflussreiche Organisation gegen Atomkraft. Wir betreiben eine umfangreiche Bibliothek, fungieren als Clearingstelle, initiieren und unterstützen Kampagnen, produzieren Lehrmaterial und geben das WISE News Communique mit 20 Ausgaben pro Jahr heraus, das Nachrichten und Hintergrundinformationen bietet. Unser wichtigstes Ziel ist es, Grasswurzel-Organisationen in ihrem Widerstand gegen die weltweite Bedrohung durch Atomkraft zu unterstützen.

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Der Nuclear Information & Resource Service (NIRS), ebenfalls 1978 gegründet, ist das Sprachrohr amerikanischer Bürger, die dazu beitragen wollen, die Atomindustrie und deren radioaktive Verseuchung unseres Planeten zu stoppen. Der NIRS beobachtet die bundesstaatlichen offiziellen Stellen sowie alle US-amerikanischen Kernreaktoren und Atommülldeponien; er unterstützt Bürger dabei, die Atomproblematik zu verstehen, ihre demokratischen Rechte in Zusammenhang mit diesem Thema wahrzunehmen und der Atomstromlobby Widerstand entgegenzusetzen. Der NIRS gibt ebenfalls einen Newsletter heraus, den "Nuclear Monitor".

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